"Aber du bist doch meine Seelenverwandte!" – Noras zehn Jahre zwischen Idealisierung und Abwertung
Shownotes
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Die Inhalte dieser Folge: Noras Geschichte beginnt mit einer Wohnungssuche und endet mit einem Neuanfang in einer anderen Stadt – dazwischen liegen zehn Jahre einer Beziehung, in der sie gleichzeitig als unverzichtbar idealisiert und systematisch klein gehalten wurde. Leon, ihr Vermieter und später Partner, ist ein Mann mit starker Präsenz: erfolgreich, dominant, cholerisch. Von Anfang an dreht sich vieles um ihn.
Was Nora zunächst nicht ahnt: Sie wird Teil eines komplexen Systems, in dem andere Menschen – oft ohne es zu wissen – für Leons Zwecke eingespannt werden. Nach der ersten Trennung kommen Freunde und Mitarbeiter auf Nora zu. Leon leide so sehr. Er habe sich geändert. Er habe jetzt Verständnis für ihr Kind. Diese Menschen meinen es vermutlich gut, wissen aber nicht, dass sie Teil eines Musters sind. In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: Flying Monkeys. Menschen, die Botschaften überbringen, Konflikte bereinigen oder die Agenda eines anderen umsetzen. Nora selbst wurde zur Flying Monkey, als sie nach Leons Wutausbrüchen dessen Mitarbeiter tröstete und die emotionale Schadensbegrenzung übernahm.
Gleichzeitig erlebt Nora ein ständiges Wechselspiel zwischen Idealisierung und Abwertung. Leon sagt: „Du bist meine Seelenverwandte. Nur dir kann ich vertrauen." Aber derselbe Mensch sagt auch: „Ich hätte mehr Intelligenz von meiner Partnerin erwartet. Hör auf zu denken, du kannst nicht denken." Diese beiden Dynamiken greifen ineinander wie Zahnräder. Die Idealisierung bindet emotional, die Abwertung hält klein. Leon ruft Nora 20 Mal am Tag an, erzählt ihr alles – und gibt ihr damit eine exklusive Rolle, die sie gleichzeitig nutzbar macht.
Vier Jahre lang weiß Nora von Cora, der anderen Frau in Leons Leben. Sie erträgt, dass er mit Cora Urlaube verbringt, Weihnachten feiert, auf Hochzeiten geht. Warum? Weil Leon sagt: „Das andere ist nur temporär. Du bist die eine." Diese Idealisierung gibt Nora immer wieder Hoffnung. Später kommt Tina. Wieder eine parallele Beziehung. Und wieder sagt Leon: Nora sei die Wichtigste. Die Realität sieht anders aus. Nora ist diejenige, die eine Stunde am Tag sieht, während andere Frauen die Wochenenden und Urlaube bekommen. In toxischen Beziehungen wird das Konzept der bedingungslosen Liebe häufig instrumentalisiert. Nora beschreibt es so: „Ich hatte immer das Gefühl, ich bin verantwortlich für ihn. Seine Eltern haben in der Kindheit versagt, ich muss ihm beweisen, dass es die wahre Liebe gibt. Die Frau, die ihm zeigt, dass es diese wahre Liebe gibt, die alles mitmacht, alles trägt, bedingungslos ihn liebt und ewig da ist." Diese Retterfantasie ist eng verknüpft mit dem Seelenverwandtschafts-Mythos. „Unsere Liebe ist besonders" rechtfertigt jedes destruktive Verhalten. Die parallelen Beziehungen, die Wutausbrüche, die Abwertungen – all das wird relativiert durch die vermeintliche Besonderheit der Verbindung.
Dabei brauchen gesunde Partnerschaften klare, liebevolle Grenzen. Sätze wie „Ich liebe dich, aber ich akzeptiere keine Gewalt" oder „Ich unterstütze dich, aber ich bin nicht für deine Heilung verantwortlich" sind keine Zeichen mangelnder Liebe, sondern von Selbstrespekt. In Noras Beziehung gab es diese Gegenseitigkeit nicht. Sie war rund um die Uhr verfügbar, kümmerte sich um seine Tiere, half in seiner Firma, tröstete seine Mitarbeiter. Was bekam sie zurück? Abwertung, parallele Beziehungen und das Gefühl, nie wichtig genug zu sein.
Der Wendepunkt kommt, als Noras Kind seine Geschlechtsidentität wechselt und den Namen ändert. Leon reagiert mit verbalen Angriffen: „Die müsste man doch mal richtig zusammenschlagen, damit sie klare Bilder sieht." In diesem Moment erkennt Nora: Hier ist die Grenze. Sie packt ihre Sachen, zieht um, beantragt eine Auskunftssperre, blockiert Leon auf allen Kanälen. Doch Leon gibt nicht auf. Er schickt ein Paket mit Tracker, findet ihre Adresse trotz Auskunftssperre, steht plötzlich vor ihrer Tür. Bis heute kämpft Nora damit, ihn endgültig loszuwerden. Aber sie ist sich sicher: „Ich kann das nicht mehr. Es geht jetzt nur noch um mich. Es geht um mein Kind und um nichts anderes mehr."
Noras Weg zeigt: Der Ausstieg aus einer toxischen Beziehung erfordert oft mehrere Anläufe. Aber er ist möglich. Und er ist es wert.
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